Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Tobias Rausch (AfD)

„Unlängst war in der „Apotheken-Umschau“ zu lesen, wie man die Tochter eines Rechtsextremisten erkennt, nämlich an den Zöpfchen. Dieser Unsinn und Ungeist soll, wenn es nach linken Tugendwächtern geht, Einzug in die Mitte der Gesellschaft halten. Es geht darum, unschuldige Kinder und Familie zu diskreditieren.“

Quelle

Sprecher
Tobias Rausch (AfD)
Datum
2019-11-22
Quelle
Stenografischer Bericht 7/87 — Aktuelle Debatte Gefährdung der Meinungsfreiheit in Sachsen-Anhalt und Deutschland entschlossen entgegentreten
Fundort
Plenarprotokoll 7/87, TOP 11
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp7/087stzg.pdf
Beleg-ID
fs-demo-0176 · Absatz aus fs-demo-abs-0009

Kodierte sprachliche Mittel

Dramatisieren / DammbruchPauschalisieren

Gegenstrategie gegen Pauschalisieren: Das ›die‹ auflösen (wer konkret?), die Stichprobe prüfen und Gegenbeispiele benennen — der Schluss vom Einzelnen auf das Wesen einer Gruppe ist der klassische Fehlschluss der voreiligen Verallgemeinerung. · Auf wie vielen Fällen beruht das — und gilt es für alle oder für Einzelne, die man benennen kann? · argumentationstheoretisch

Gegenstrategie gegen Dramatisieren / Dammbruch: Die behauptete Kette Schritt für Schritt prüfen und die Gegenkräfte benennen, die sie stoppen — den Katastrophen-Rahmen dabei nicht nacherzählen, sondern nüchtern verkleinern. · Führt wirklich jeder Schritt zwingend zum nächsten — und welche Kräfte würden die Kette längst stoppen? · argumentationstheoretisch

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung verallgemeinert einen einzelnen journalistischen Beitrag zu einem Vorhaben, das "linke Tugendwächter" angeblich in die "Mitte der Gesellschaft" tragen wollen, und deutet damit eine punktuelle Berichterstattung als koordinierte politische Agenda um. Der Begriff "Tugendwächter" unterstellt der Gegenseite moralische Überheblichkeit und Kontrollansprüche, während die eigene Position als Verteidigung "unschuldiger" Familien präsentiert wird.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich nehme einen einzelnen Artikel — über Zöpfchen als angebliches Erkennungsmerkmal — und mache daraus ein Vorhaben "linker Tugendwächter", als stünde eine ganze Bewegung dahinter, die genau das in die "Mitte der Gesellschaft" tragen will. So wird aus einem fragwürdigen Einzeltext eine organisierte Bedrohung, gegen die ich mich zu Recht wehre. Und wenn ich dann sage, es gehe darum, "unschuldige Kinder und Familien zu diskreditieren", stelle ich mich selbst als Beschützer dar, ohne dass ich zeigen müsste, wer genau diese Familien tatsächlich angreift. Der Vorwurf trifft nicht den einen Artikel, sondern gleich eine ganze unterstellte Gesinnungsgruppe.

Was diese Aussage leistet

Für den, der ihn hört: Die Kränkung, für harmlose Alltagsdinge unter Verdacht gestellt zu werden, bekommt eine Gegnerfigur: ›linke Tugendwächter‹, die angeblich ganze Familien diskreditieren wollen. Wer sich selbst als betroffen empfindet, fühlt sich als Verteidiger der Unschuldigen bestätigt.

Für den, der ihn sagt: Der Satz macht aus einem einzelnen Zeitschriftenbeitrag eine organisierte Agenda und positioniert den Sprecher als Beschützer ›unschuldiger‹ Familien — Zustimmung wird gewonnen, ohne dass ein einziger realer Angriff auf Familien benannt werden müsste.

Die Bilanz: Ohne dass eine tatsächlich koordinierte Kampagne belegt worden wäre, verengt sich die Deutungshoheit: Eine kritische Auseinandersetzung mit rechten Codes fällt pauschal als ›Ungeist‹ aus der legitimen Debatte, und das frei werdende Misstrauen fällt dem zu, der sich als Anwalt der Familien inszeniert.

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