Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Tobias Rausch (AfD)

„Es ist ein linker Scheinantrag, um sich bei den Leuten anzubiedern und sich als Kümmerer darzustellen.“

Quelle

Sprecher
Tobias Rausch (AfD)
Datum
2016-12-15
Quelle
Stenografischer Bericht 7/17 — Wahl eines stellvertretenden Mitglieds der Parlamentarischen Kontrollkommission Wahlvorschlag Fraktionen CDU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Drs. 7/713
Fundort
Plenarprotokoll 7/17, TOP 21
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp7/017stzg.pdf
Beleg-ID
fs-demo-0464

Kodierte sprachliche Mittel

Kampfbegriff

Gegenstrategie gegen Kampfbegriff: Das Wort in keiner Form übernehmen, auch nicht verneint oder in Anführungszeichen — benennen, dass es verurteilt statt beschreibt, und ein eigenes, beschreibendes Wort setzen. · Beschreibt dieses Wort etwas — oder verurteilt es nur? Wie hieße die Sache neutral? · forschungsgestuetzt

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung unterstellt dem parlamentarischen Antrag eines politischen Gegners mit dem Kampfbegriff „Scheinantrag“ eine verdeckte, unlautere Motivation – Anbiederung statt inhaltlichem Anliegen –, ohne den Inhalt des Antrags selbst zu widerlegen oder zu diskutieren.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich gehe gar nicht erst auf den Inhalt des Antrags ein – ich erkläre ihn für „Schein“, für vorgetäuscht, und schon muss ich mich mit dem, was tatsächlich drinsteht, nicht mehr befassen. „Linker Scheinantrag“ verbindet die politische Herkunft gleich mit dem Vorwurf der Täuschung, als gehöre das zusammen. Dass die Partei möglicherweise ein echtes Problem aufgreift, sage ich nicht; ich rede lieber über ihre angebliche Motivation, sich „anzubiedern“ und als „Kümmerer“ zu inszenieren. So wird aus einer inhaltlichen Debatte eine Frage des Charakters – und ich habe keine einzige Zeile des Antrags widerlegen müssen.

Begriffe in dieser Aussage

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