Belegte Aussage — Mario Lehmann (AfD)
„Zumindest all den Abgeordneten, die nicht auf dem linken Ohr einen Tinnitus haben bzw. nicht auf dem linken Auge unter der Antifa-Erblindung leiden.“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
KampfbegriffPauschalisierenSprachkritische Analyse
Die Formulierung prägt mit »Antifa-Erblindung« einen pseudo-medizinischen Kampfbegriff, der eine politische Wahrnehmungsdifferenz als körperlichen Defekt inszeniert. Zugleich pauschalisiert sie: Wer sich gegen rechte Gewalt engagiert oder dafür sensibel ist, wird kollektiv als »blind auf einem Auge« diffamiert, unabhängig vom Einzelfall. So wird Kritik an rechter Gewalt von vornherein als Sehstörung behandelt, nicht als Position.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich erfinde ein Krankheitsbild, das es nicht gibt, und hänge ihm den Namen meines Gegners an. Wer die Gefahr von rechts ernst nimmt, hat bei mir keine Meinung mehr, sondern einen Defekt — »Erblindung« klingt nach Diagnose, nicht nach Streit. Das Bild vom blinden Auge nehme ich mir aus dem Volksmund und drehe es gegen alle, die meiner Lesart nicht folgen, egal wie unterschiedlich ihre Gründe sind. So brauche ich kein einziges Argument gegen sie zu liefern — ich muss nur sagen, sie könnten gar nicht richtig sehen.