Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)

„Ja, wer hat denn die Verbände dazu legitimiert, die Interessen der Natur zu verteidigen? War das die Natur? - Nein, das waren die Verbände. Das ist eine ganz billige Selbstermächtigung von Schwätzer-Lobbyisten, die uns unter dem Vorwand, die Interessen der Natur zu verteidigen, ihr Weltbild aufzwingen wollen.“

Quelle

Sprecher
Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)
Datum
2025-10-10
Quelle
Stenografischer Bericht 8/99 — Erste Beratung Verbandsklage einschränken Genehmigungsprozesse straffen Antrag Fraktion AfD - Drs. 8/6017
Fundort
Plenarprotokoll 8/99, TOP 24
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp8/099stzg.pdf
Beleg-ID
fs-demo-1117 · Absatz aus fs-demo-abs-0220

Kodierte sprachliche Mittel

Pseudo-Frage (»nur fragen«)KampfbegriffVerschwörungserzählung

Gegenstrategie gegen Kampfbegriff: Das Wort in keiner Form übernehmen, auch nicht verneint oder in Anführungszeichen — benennen, dass es verurteilt statt beschreibt, und ein eigenes, beschreibendes Wort setzen. · Beschreibt dieses Wort etwas — oder verurteilt es nur? Wie hieße die Sache neutral? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Verschwörungserzählung: Beleg für Koordination statt bloßer Gleichzeitigkeit einfordern und eine einfachere Erklärung anbieten — die kausale Lücke füllen, die die Erzählung besetzt. Diffuse ›Drahtzieher‹ durch konkrete, prüfbare Verantwortliche ersetzen. · Gibt es Belege für einen koordinierten Plan — oder nur für Gleichzeitigkeit? Und welche einfachere Erklärung gäbe es? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Pseudo-Frage (»nur fragen«): Die in der Frage versteckte Behauptung explizit machen und Verantwortung dafür einfordern — wer ›nur fragt‹, behauptet, ohne geradezustehen. Erst wenn die Behauptung offen ist, lässt sie sich prüfen. · Welche Behauptung steckt in deiner Frage — stehst du zu ihr, damit wir sie prüfen können? · forschungsgestuetzt

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung bestreitet mit einer rhetorischen Scheinfrage die demokratische Legitimität von Umweltverbänden und unterstellt ihnen mit »Selbstermächtigung« sowie dem Verb »aufzwingen« ein verdecktes, unrechtmäßiges Machtstreben. Der Kampfbegriff »Schwätzer-Lobbyisten« ersetzt eine Auseinandersetzung mit den vorgebrachten Argumenten durch eine pauschale Abwertung der Sprecher.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich stelle die Frage, wer die Verbände »legitimiert« habe, und beantworte sie selbst mit »die Natur war es nicht« – als ob Interessenvertretung überhaupt eine Ermächtigung durch das vertretene Objekt bräuchte. Das ist Unsinn, aber es klingt nach einem cleveren Enttarnen. Mit »Schwätzer-Lobbyisten« nehme ich ihnen die Fachlichkeit, bevor sie ein Argument vorbringen können. Und »Selbstermächtigung« unterstellt einen heimlichen Machtgriff, wo tatsächlich nur zivilgesellschaftliches Engagement stattfindet – ich drehe Beteiligung in Verschwörung um, damit man sich vor ihnen fürchtet statt mit ihnen streitet.

Was diese Aussage leistet

Für den, der ihn hört: Der Ärger über verzögerte Bauverfahren bekommt eine Adresse: nicht Recht oder Verfahren, sondern ›Schwätzer-Lobbyisten‹, die sich angeblich selbst ermächtigt haben. Wer das glaubt, hat einen Schuldigen gefunden — die Verfahrensfrage selbst bleibt ungeprüft.

Für den, der ihn sagt: Mit ›Schwätzer-Lobbyisten‹ muss sich der Satz nicht mit einem einzigen vorgebrachten Argument der Verbände auseinandersetzen — die Abwertung ersetzt die inhaltliche Prüfung und erspart jede Antwort auf deren Einwände.

Die Bilanz: Ohne dass die tatsächliche Legitimation oder die vorgebrachten Argumente der Verbände geprüft worden wären, verengt sich deren Rolle als Ansprechpartner in Genehmigungsverfahren. Die eigentliche Naturschutzfrage bleibt dabei ungeklärt.

Begriffe in dieser Aussage

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