Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Jan Scharfenort (AfD)

„Wenn die ganze Welt, Premierminister, Staatschefs mittlerweile alle selbst posten, dann brauche ich nicht eine „Volksstimme“ oder irgendein altes Medium zu lesen, die das für mich einordnen, übersetzen. Die Übersetzung ist, na ja, immer irgendwie gefärbt. Das ist ja normal. Nein, ich habe die Originalquelle. Ich weiß, was ein Ministerpräsident eines Landes genau gesagt hat. Das ist den alten Medien sehr, sehr unangenehm, weil sie sofort der Lüge überführt werden können.“

Quelle

Sprecher
Jan Scharfenort (AfD)
Datum
2026-01-29
Quelle
Stenografischer Bericht 8/106 — Beratung Kommunikation des Landes auf verantwortungsvollen Social-MediaPlattformen Antrag Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Drs. 8/6503 Alternativantrag Fraktionen CDU, SPD und FDP - Drs. 8/6554
Fundort
Plenarprotokoll 8/106, TOP 34
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp8/106stzg.pdf
Beleg-ID
fs-demo-1150

Kodierte sprachliche Mittel

Delegitimieren

Gegenstrategie gegen Delegitimieren: Quelle und Sache trennen: Der Angriff auf die Instanz beantwortet die Sachfrage nicht. Die prüfbare Aussage von der angegriffenen Quelle lösen und für sich prüfen. · Angenommen, die Quelle wäre dir gleichgültig — stimmt der Inhalt? Worauf stützt sich deine Ablehnung der Sache selbst? · argumentationstheoretisch

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung stellt Social-Media-Posts von Staatschefs als unmittelbare »Originalquelle« journalistischer Einordnung gegenüber und erklärt Letztere pauschal für »gefärbt«, ohne journalistische Sorgfalt und Kontextualisierung von Verzerrung zu unterscheiden. So wird die Notwendigkeit unabhängiger Einordnung selbst als Manipulationsverdacht delegitimiert.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich tue so, als sei ein Post eines Regierungschefs schon die Wahrheit, weil er ungefiltert bei mir ankommt – dass auch Regierungschefs strategisch kommunizieren, sage ich nicht. Journalistische Einordnung nenne ich »Übersetzung«, und Übersetzung ist für mich automatisch »gefärbt« – so wird aus Sorgfalt gleich Verzerrung. Damit brauche ich keine einzelne Falschmeldung mehr nachzuweisen: Ich habe das Prinzip der Vermittlung selbst verdächtig gemacht. Wer noch Zeitung liest, wirkt bei mir schon naiv, wer nur noch Originalposts liest, klug und unabhängig – dabei fehlt genau die Einordnung, die ich gerade lächerlich gemacht habe.

Was diese Aussage leistet

Für den, der ihn hört: Das Misstrauen gegenüber Medien bekommt eine Aufwertung: Wer direkt zur Quelle geht, fühlt sich klüger und unabhängiger als jemand, der Zeitung liest. Dass auch Regierungschefs strategisch kommunizieren, bleibt dabei außen vor.

Für den, der ihn sagt: Journalistische Einordnung als ›gefärbt‹ zu erklären, macht jede spätere Richtigstellung im Voraus verdächtig — der Satz muss keine einzelne Falschmeldung nachweisen, das Prinzip der Vermittlung selbst gilt schon als Manipulation.

Die Bilanz: Ohne dass eine einzige journalistische Einordnung tatsächlich geprüft worden wäre, verengt sich der Zugang zu eingeordneter, gegengeprüfter Information. Wer nur noch Originalposts liest, verliert genau die Kontrolle, die er zu gewinnen glaubt.

Begriffe in dieser Aussage

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