Belegte Aussage — Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD)
„- Natürlich! - Aber wissen Sie, (Guido Kosmehl, FDP: Diese Gruppe braucht niemand!) dieses Spiel ist so durchsichtig, (Guido Kosmehl, FDP: Aber Ihre Partei hat dort mitgemacht!) dieses Spiel ist so durchsichtig, dass es sogar Anhänger der Altparteien durchschauen. Wenn man auf Twitter guckt, dann haben sich sogar Leute, die sich auf ihrem Twitter-Profil zur SPD bekennen, zur Solidarität mit der Ukraine, zur CDU, darüber lustig gemacht und vom „Rollatorputsch“ gesprochen.“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
KampfbegriffPauschalisierenSprachkritische Analyse
Indem sich der Sprecher auf Twitter-Nutzer beruft, die sich selbst als SPD- oder CDU-nah bezeichnen und den Begriff 'Rollatorputsch' unabhängig geprägt haben sollen, wird ein altersfeindlicher Spottbegriff als überparteilicher Konsens ausgewiesen statt als eigene Framing-Leistung. Der Verweis auf eine angeblich breite, unbenannte Zustimmung soll den Begriff selbstverständlich erscheinen lassen.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich habe 'Rollatorputsch' nicht erfunden — jedenfalls sage ich das so, indem ich betone, dass sogar SPD- und CDU-nahe Leute auf Twitter das Wort benutzt haben. Das ist mein eigentlicher Trick: Ich muss den Spott nicht selbst verantworten, ich zitiere ihn nur als angeblich überparteiliche Erkenntnis. 'Sogar Anhänger der Altparteien durchschauen es' — das klingt, als wäre meine Position gar keine Position mehr, sondern gesunder Menschenverstand, den alle teilen. So bekommt ein hämischer, altersfeindlicher Begriff die Legitimität eines allgemeinen Konsenses, ohne dass ich für seine Verbreitung geradestehen muss.
Was diese Aussage leistet
Für den, der ihn hört: Der Wunsch, mit der eigenen Position nicht allein und nicht angreifbar dazustehen, bekommt eine Bestätigung von außen: Sogar Anhänger anderer Parteien sollen denselben Spott teilen. Das fühlt sich nach gesundem Menschenverstand an, ohne dass eine echte Mehrheit belegt wäre.
Für den, der ihn sagt: Der Satz verlagert die Urheberschaft eines abwertenden Begriffs auf ein angebliches überparteiliches Zitat und muss die eigene Verbreitung damit nicht verantworten — Zustimmung zum Spott fällt zu, ohne dass eine Quelle oder Reichweite geprüft werden müsste.
Die Bilanz: Ohne dass geprüft worden wäre, wie verbreitet oder repräsentativ die zitierten Twitter-Äußerungen tatsächlich sind, verengt sich der Eindruck auf einen vermeintlichen Konsens gegen die Betroffenen. Eine eigenständige Prüfung der Position fällt aus — Zustimmung wirkt wie geteilte Erkenntnis.