Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Thomas Höse (AfD)

„- Eine Menge! - Eurokrise, Bankenrettung, EU-Regelungswahn, Gender-Gaga, illegale Grenzöffnung, staatlich befeuerte illegale Masseneinwanderung, überstürzte Energiewende, aber auch Klimadiktatur - das sind alles politische Entscheidungen bzw. Fehlentscheidungen der letzten Jahre, die dazu führten, dass sich immer mehr mündige Bürger dagegen positionieren.“

Quelle

Sprecher
Thomas Höse (AfD)
Datum
2019-08-29
Quelle
Stenografischer Bericht 7/78 — Beratung Erstanmeldergrundsatz und Abstandsgebot ins Versammlungsrecht Antrag Fraktion AfD - Drs. 7/4745
Fundort
Plenarprotokoll 7/78, TOP 25
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp7/078stzg.pdf
Beleg-ID
fs-demo-abs-0071

Kodierte sprachliche Mittel

Dramatisieren / DammbruchKampfbegriffPauschalisierenGefahr & Bedrohung (Argumentationsmuster)

Gegenstrategie gegen Kampfbegriff: Das Wort in keiner Form übernehmen, auch nicht verneint oder in Anführungszeichen — benennen, dass es verurteilt statt beschreibt, und ein eigenes, beschreibendes Wort setzen. · Beschreibt dieses Wort etwas — oder verurteilt es nur? Wie hieße die Sache neutral? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Pauschalisieren: Das ›die‹ auflösen (wer konkret?), die Stichprobe prüfen und Gegenbeispiele benennen — der Schluss vom Einzelnen auf das Wesen einer Gruppe ist der klassische Fehlschluss der voreiligen Verallgemeinerung. · Auf wie vielen Fällen beruht das — und gilt es für alle oder für Einzelne, die man benennen kann? · argumentationstheoretisch

Gegenstrategie gegen Dramatisieren / Dammbruch: Die behauptete Kette Schritt für Schritt prüfen und die Gegenkräfte benennen, die sie stoppen — den Katastrophen-Rahmen dabei nicht nacherzählen, sondern nüchtern verkleinern. · Führt wirklich jeder Schritt zwingend zum nächsten — und welche Kräfte würden die Kette längst stoppen? · argumentationstheoretisch

Gegenstrategie gegen Gefahr & Bedrohung (Argumentationsmuster): Wer vorbeugend gegen dieses Muster wappnen will, muss zuerst den Unterschied zum Kontern klarmachen: Es geht nicht darum, eine Person bloßzustellen, sondern darum, dass ein Publikum die Konstruktion selbst erkennt, bevor sie greift — deshalb erklärend, an der Sache orientiert, nie an der Person, die die Parole gerade wiederholt. Der Argumentationsstrang Gefahr lebt davon, dass er einzelne Taten zu einem Kollektivmerkmal verdichtet; genau hier setzt die Übersetzung an, die dem Publikum die Mechanik zeigt, statt sie zu wiederholen. Eine Formulierung wie »Wie meinen Sie das genau — welche Taten, welche Täter, wie viele?« zwingt jede pauschale Bedrohungserzählung, sich an der Wirklichkeit zu messen; das Nachfragen wirkt stärker als jede Gegenstatistik, weil es die Leerstelle dem Sprecher selbst zur Füllung überlässt. Das Muster zeigt sich besonders klar dort, wo dieselbe Rede zwei gegenläufige Behauptungen — Gewalt gegen Migranten sei kein Problem, wohl aber die Gewalt, die von ihnen ausgehe — nebeneinanderstellt, ohne dass die Asymmetrie benannt wird; genau diese Lücke lässt sich ruhig aufzeigen, ohne dem Gegenüber eine Absicht zu unterstellen. Wichtig ist dabei, die unentschlossene Person nie mit der Parole gleichzusetzen — sonst verhärtet sie sich, statt zuzuhören; das Ziel ist ihr Zweifel, nicht ihre Beschämung. Stattdessen hilft der Verweis auf einen gemeinsamen Wert: Sicherheit ist ein legitimes Anliegen, das gerade durch pauschale Verdächtigung nicht gewonnen wird, sondern durch Differenzierung. Immunisieren heißt, Einzelfall und Kollektiv auseinanderzuhalten, bevor die nächste Dramatisierung — »bei denen sich Ihnen die Nackenhaare hochstellen« — überhaupt verfängt. Am Ende steht kein Widerlegen einer Behauptung, sondern ein geschärftes Ohr für die Verschiebung von der Tat zur Gruppe. · Wer im Moment der Konfrontation kontert, verfolgt ein anderes Ziel als das Immunisieren: Eine konkrete Aussage steht im Raum, die live entlarvt werden muss, vor Publikum, mit der Uhr, die tickt — deshalb direkter, zugespitzter, auf die vorliegende Aussage bezogen statt auf das allgemeine Muster. Die stärkste Antwort besteht nicht darin, die Statistik der Gegenseite mit einer eigenen Statistik zu kontern — das hieße, deren Prämisse zu übernehmen, dass Sicherheit tatsächlich eine Frage der Herkunft sei —, sondern die Technik selbst zu benennen: »Sie machen aus einzelnen Straftaten ein Gruppenmerkmal, das ist keine Sicherheitsanalyse, das ist eine Erzählung.« Wenn eine Rede offen behauptet, sie habe kein Problem mit Gewalt gegen Migranten, wohl aber mit »der Gewalt, die von Migranten ausgeht«, liegt der Widerspruch auf der Hand — hier lohnt es, diese Asymmetrie öffentlich zu spiegeln, statt sich in eine Aufrechnung von Opferzahlen ziehen zu lassen. Die Forderung, »die Festung Deutschland zu bauen«, verdient eine ebenso direkte Reaktion: Sie beschreibt keine Sicherheitspolitik, sondern eine Kapitulation vor der eigenen Dramatisierung — »Eine Festung schützt niemanden vor einer Straftat, die in der Festung selbst passiert«. Auch wo eine Behauptung nur zu befürchten steht, ohne einen Fall zu nennen, lohnt die knappe Nachfrage nach dem Beleg. Entscheidend ist, nicht in Empörung zu kippen, sondern die Engführung sachlich offenzulegen: Wer aus »ihr Unwesen treiben« eine politische Forderung ableitet, hat die Beweislast nie erbracht, nur die Sprache vorweggenommen. Kontern heißt, dem Publikum in Echtzeit zu zeigen, dass die Bedrohungserzählung selbst das Argument ist — ein Satz, der stehen bleibt, wenn das Gespräch längst weitergezogen ist. · Vorbeugen hat ein anderes Ziel als Kontern: Es geht nicht darum, eine Person bloßzustellen. Es geht darum, dass ein Publikum die Konstruktion selbst erkennt, bevor sie wirkt. Deshalb bleibt der Ton erklärend, sachbezogen. Er richtet sich nie gegen die Person, die die Parole gerade wiederholt. Der Argumentationsstrang Gefahr lebt davon, dass er einzelne Taten zu einem Merkmal der ganzen Gruppe verdichtet. Genau hier setzt die Übersetzung an: Sie zeigt dem Publikum die Mechanik, statt sie zu wiederholen. Eine Frage wie »Wie meinen Sie das genau — welche Taten, welche Täter, wie viele?« zwingt jede pauschale Bedrohungs-Erzählung, sich an der Wirklichkeit zu messen. Das Nachfragen wirkt stärker als jede Gegenstatistik. Denn es überlässt die Leerstelle dem Sprecher selbst zur Füllung. Besonders deutlich wird das Muster, wo dieselbe Rede zwei Behauptungen nebeneinanderstellt, die sich widersprechen: Gewalt gegen Migranten sei kein Problem — wohl aber die Gewalt, die von ihnen ausgehe. Die Asymmetrie wird dabei nicht benannt. Genau diese Lücke lässt sich ruhig zeigen, ohne dem Gegenüber eine Absicht zu unterstellen. Wichtig dabei: die unentschlossene Person nie mit der Parole gleichsetzen. Sonst verhärtet sie sich, statt zuzuhören. Das Ziel ist ihr Zweifel, nicht ihre Beschämung. Stattdessen hilft der Verweis auf einen gemeinsamen Wert: Sicherheit ist ein berechtigtes Anliegen. Gewonnen wird sie aber nicht durch pauschale Verdächtigung, sondern durch Differenzierung. Vorbeugen heißt: Einzelfall und Gruppe auseinanderhalten — bevor die nächste Dramatisierung greift, etwa Formulierungen wie »bei denen sich Ihnen die Nackenhaare hochstellen«. Am Ende steht kein Widerlegen einer Behauptung. Am Ende steht ein geschärftes Ohr für die Verschiebung von der Tat zur Gruppe. · Kontern hat ein anderes Ziel als Vorbeugen: Eine konkrete Aussage steht im Raum. Sie muss live entlarvt werden, vor Publikum, mit der Uhr, die tickt. Deshalb ist die Antwort direkter, zugespitzter — bezogen auf die vorliegende Aussage, nicht auf das allgemeine Muster. Die stärkste Antwort ist nicht die eigene Statistik gegen die fremde Statistik. Das würde bedeuten, die Annahme der Gegenseite zu übernehmen: dass Sicherheit tatsächlich eine Frage der Herkunft sei. Stärker ist es, die Technik selbst zu benennen: »Sie machen aus einzelnen Straftaten ein Gruppenmerkmal, das ist keine Sicherheitsanalyse, das ist eine Erzählung.« Wenn eine Rede offen behauptet, sie habe kein Problem mit Gewalt gegen Migranten, wohl aber mit »der Gewalt, die von Migranten ausgeht«, liegt der Widerspruch offen zutage. Hier lohnt es, diese Asymmetrie öffentlich zu spiegeln — statt sich in eine Aufrechnung von Opferzahlen ziehen zu lassen. Auch die Forderung, »die Festung Deutschland zu bauen«, verdient eine ebenso direkte Antwort: Sie beschreibt keine Sicherheitspolitik, sondern ein Aufgeben vor der eigenen Dramatisierung — »Eine Festung schützt niemanden vor einer Straftat, die in der Festung selbst passiert«. Auch wo eine Behauptung nur als Befürchtung geäußert wird, ohne einen Fall zu nennen, lohnt die knappe Nachfrage nach dem Beleg. Entscheidend ist: nicht in Empörung kippen, sondern die Engführung sachlich offenlegen. Wer aus »ihr Unwesen treiben« eine politische Forderung ableitet, hat den Beweis nie erbracht — nur die Sprache vorweggenommen. Kontern heißt: dem Publikum in Echtzeit zeigen, dass die Bedrohungs-Erzählung selbst schon das ganze Argument ist. Ein Satz, der stehen bleibt, wenn das Gespräch längst weitergezogen ist.

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Aufzählung reiht acht ganz verschiedene politische Vorgänge — von der Eurokrise bis zur Energiewende — auf eine Stufe, als wären es lauter gleich geartete »Fehlentscheidungen«. Für die Klimagesetzgebung wählt sie mit »Klimadiktatur« ein Wort, das eine demokratisch beschlossene Politik in eine Fremdherrschaft verwandelt, ohne dafür ein einziges Argument zu liefern. Wer der Liste zustimmt, bekommt automatisch das Etikett »mündige Bürger« zugesprochen — Widerspruch würde damit als unmündig erscheinen.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich hänge acht Themen aneinander, die außer meinem Ärger nichts gemeinsam haben. Allein die Menge soll wirken — wer nachrechnet, ob jeder Punkt für sich stimmt, hat die Pointe schon verpasst. Für die Klimagesetze nehme ich das größte Wort, das ich finden kann: »Diktatur«. So muss ich nicht erklären, welches Gesetz warum falsch ist, ich muss nur das Bild von Zwang und Fremdherrschaft stehen lassen. Und wer sich über meine Liste empört, den nenne ich »mündigen Bürger« — so wird die Zustimmung zu meinem Rundumschlag zum Beweis der eigenen Klugheit.

Was diese Aussage leistet

Für den, der ihn hört: Das Gefühl, von zu vielen Veränderungen gleichzeitig überrollt zu werden, bekommt eine gemeinsame Ursache: Acht verschiedene Themen werden zu einer Kette, die sich als Ganzes ablehnen lässt — das ist einfacher als acht einzelne Abwägungen.

Für den, der ihn sagt: Wer alle acht Themen zu einer Kette bündelt, gewinnt mit einem einzigen Ja die Bindung zu allen acht zugleich — stärker, als acht einzelne Zustimmungen sie schüfen —, während die etablierte Politik in Bausch und Bogen als gescheitert dasteht, ohne dass ein Politikfeld für sich verteidigt werden müsste.

Die Bilanz: Genommen wird die Möglichkeit, jedes Thema für sich zu bewerten — Eurokrise, Energiewende und Zuwanderung folgen unterschiedlichen Logiken. Wer die Kette übernimmt, hat für die eigene Heizungsrechnung trotzdem keine Antwort.

Ausgearbeitete Gegenrede

Der Satz reiht acht ganz verschiedene Themen aneinander — von der Eurokrise bis zur Energiewende — als wären sie eine einzige Kette von Fehlern. Das ist kein Argument, das ist eine Liste. Bei der Klimapolitik macht das Wort ›Klimadiktatur‹ aus Gesetzen, über die ein gewähltes Parlament abgestimmt hat, eine Fremdherrschaft — ohne ein einziges Beispiel zu nennen. Und wer der ganzen Liste zustimmt, den nennt der Satz mündige Bürger — als hätte er dafür irgendetwas geprüft.

Dass sich vieles in kurzer Zeit verändert hat und Sie sich dabei kaum gefragt fühlen — das verstehe ich. Aber schauen Sie sich das Wort ›Klimadiktatur‹ genau an. Die Gesetze dahinter hat ein gewähltes Parlament beschlossen, mit Anhörungen, Ausschüssen, Abstimmungen — das ist das Gegenteil von einer Diktatur. Acht ganz verschiedene Themen in einem Atemzug aufzuzählen, macht aus jedem einzelnen Streitpunkt automatisch einen Beweis für die anderen. Welches der acht Themen wollen wir denn als Erstes einzeln anschauen?

Mehr Beispiele und die Übungsformen dazu: Gegenrede-Beispiele · Training.

Hier üben

Interaktive Trainingseinheiten auf dieser Website, die mit genau dieser belegten Aussage arbeiten (die Szenen darin sind fiktiv, die Zitate belegt):

Begriffe in dieser Aussage

Weitere Fundstellen zum Thema demokratie