Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — AfD-Fraktion

„bewusst gegen Deutsche gerichtete Gewalt von Ausländern, sog. Inländerfeindlichkeit, ist als ein eigener Phänomenbereich politisch motivierter Kriminalität sowohl in die Prävention als auch in die Opferhilfe (Zeugenbetreuung, psychosoziale Prozessbegleitung, Kampagne „Opferschutz“) explizit mit einzubeziehen.“

Quelle

Sprecher
AfD-Fraktion
Datum
2021-11-10
Quelle
Drucksache 8/345 — Antrag – Fraktion AfD Alle Opfer politisch motivierter Kriminalität gleich unterstützen! Der Landtag möge beschließen: D
Fundort
Drucksache 8/345
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/drs/wp8/drs/d0345aan.pdf
Beleg-ID
fs-sich-0116 · Absatz aus fs-sich-abs-0235

Kodierte sprachliche Mittel

Chiffre / Dog WhistleNormalisierungGefahr & Bedrohung (Argumentationsmuster)

Gegenstrategie gegen Chiffre / Dog Whistle: Den Code offenlegen: aussprechen, was das Wort den Eingeweihten signalisiert — eine Chiffre verliert ihre Deckung, sobald die zweite Botschaft offen im Raum steht. Herkunftsbeleg bereithalten. · Was verstehen diejenigen, die den Code kennen — sag es doch einmal offen. · eigenuebertrag

Gegenstrategie gegen Normalisierung: Die Verschiebung selbst zum Thema machen: die Serie zeigen, nicht den Einzelfall — und dem beiläufigen Ton den sachlichen Rahmen nehmen, indem man benennt, was da gerade nebenbei gesetzt werden soll. · Seit wann sagen wir das so beiläufig — und wem nützt es, dass es inzwischen normal klingt? · eigenuebertrag

Gegenstrategie gegen Gefahr & Bedrohung (Argumentationsmuster): Wer vorbeugend gegen dieses Muster wappnen will, muss zuerst den Unterschied zum Kontern klarmachen: Es geht nicht darum, eine Person bloßzustellen, sondern darum, dass ein Publikum die Konstruktion selbst erkennt, bevor sie greift — deshalb erklärend, an der Sache orientiert, nie an der Person, die die Parole gerade wiederholt. Der Argumentationsstrang Gefahr lebt davon, dass er einzelne Taten zu einem Kollektivmerkmal verdichtet; genau hier setzt die Übersetzung an, die dem Publikum die Mechanik zeigt, statt sie zu wiederholen. Eine Formulierung wie »Wie meinen Sie das genau — welche Taten, welche Täter, wie viele?« zwingt jede pauschale Bedrohungserzählung, sich an der Wirklichkeit zu messen; das Nachfragen wirkt stärker als jede Gegenstatistik, weil es die Leerstelle dem Sprecher selbst zur Füllung überlässt. Das Muster zeigt sich besonders klar dort, wo dieselbe Rede zwei gegenläufige Behauptungen — Gewalt gegen Migranten sei kein Problem, wohl aber die Gewalt, die von ihnen ausgehe — nebeneinanderstellt, ohne dass die Asymmetrie benannt wird; genau diese Lücke lässt sich ruhig aufzeigen, ohne dem Gegenüber eine Absicht zu unterstellen. Wichtig ist dabei, die unentschlossene Person nie mit der Parole gleichzusetzen — sonst verhärtet sie sich, statt zuzuhören; das Ziel ist ihr Zweifel, nicht ihre Beschämung. Stattdessen hilft der Verweis auf einen gemeinsamen Wert: Sicherheit ist ein legitimes Anliegen, das gerade durch pauschale Verdächtigung nicht gewonnen wird, sondern durch Differenzierung. Immunisieren heißt, Einzelfall und Kollektiv auseinanderzuhalten, bevor die nächste Dramatisierung — »bei denen sich Ihnen die Nackenhaare hochstellen« — überhaupt verfängt. Am Ende steht kein Widerlegen einer Behauptung, sondern ein geschärftes Ohr für die Verschiebung von der Tat zur Gruppe. · Wer im Moment der Konfrontation kontert, verfolgt ein anderes Ziel als das Immunisieren: Eine konkrete Aussage steht im Raum, die live entlarvt werden muss, vor Publikum, mit der Uhr, die tickt — deshalb direkter, zugespitzter, auf die vorliegende Aussage bezogen statt auf das allgemeine Muster. Die stärkste Antwort besteht nicht darin, die Statistik der Gegenseite mit einer eigenen Statistik zu kontern — das hieße, deren Prämisse zu übernehmen, dass Sicherheit tatsächlich eine Frage der Herkunft sei —, sondern die Technik selbst zu benennen: »Sie machen aus einzelnen Straftaten ein Gruppenmerkmal, das ist keine Sicherheitsanalyse, das ist eine Erzählung.« Wenn eine Rede offen behauptet, sie habe kein Problem mit Gewalt gegen Migranten, wohl aber mit »der Gewalt, die von Migranten ausgeht«, liegt der Widerspruch auf der Hand — hier lohnt es, diese Asymmetrie öffentlich zu spiegeln, statt sich in eine Aufrechnung von Opferzahlen ziehen zu lassen. Die Forderung, »die Festung Deutschland zu bauen«, verdient eine ebenso direkte Reaktion: Sie beschreibt keine Sicherheitspolitik, sondern eine Kapitulation vor der eigenen Dramatisierung — »Eine Festung schützt niemanden vor einer Straftat, die in der Festung selbst passiert«. Auch wo eine Behauptung nur zu befürchten steht, ohne einen Fall zu nennen, lohnt die knappe Nachfrage nach dem Beleg. Entscheidend ist, nicht in Empörung zu kippen, sondern die Engführung sachlich offenzulegen: Wer aus »ihr Unwesen treiben« eine politische Forderung ableitet, hat die Beweislast nie erbracht, nur die Sprache vorweggenommen. Kontern heißt, dem Publikum in Echtzeit zu zeigen, dass die Bedrohungserzählung selbst das Argument ist — ein Satz, der stehen bleibt, wenn das Gespräch längst weitergezogen ist. · Vorbeugen hat ein anderes Ziel als Kontern: Es geht nicht darum, eine Person bloßzustellen. Es geht darum, dass ein Publikum die Konstruktion selbst erkennt, bevor sie wirkt. Deshalb bleibt der Ton erklärend, sachbezogen. Er richtet sich nie gegen die Person, die die Parole gerade wiederholt. Der Argumentationsstrang Gefahr lebt davon, dass er einzelne Taten zu einem Merkmal der ganzen Gruppe verdichtet. Genau hier setzt die Übersetzung an: Sie zeigt dem Publikum die Mechanik, statt sie zu wiederholen. Eine Frage wie »Wie meinen Sie das genau — welche Taten, welche Täter, wie viele?« zwingt jede pauschale Bedrohungs-Erzählung, sich an der Wirklichkeit zu messen. Das Nachfragen wirkt stärker als jede Gegenstatistik. Denn es überlässt die Leerstelle dem Sprecher selbst zur Füllung. Besonders deutlich wird das Muster, wo dieselbe Rede zwei Behauptungen nebeneinanderstellt, die sich widersprechen: Gewalt gegen Migranten sei kein Problem — wohl aber die Gewalt, die von ihnen ausgehe. Die Asymmetrie wird dabei nicht benannt. Genau diese Lücke lässt sich ruhig zeigen, ohne dem Gegenüber eine Absicht zu unterstellen. Wichtig dabei: die unentschlossene Person nie mit der Parole gleichsetzen. Sonst verhärtet sie sich, statt zuzuhören. Das Ziel ist ihr Zweifel, nicht ihre Beschämung. Stattdessen hilft der Verweis auf einen gemeinsamen Wert: Sicherheit ist ein berechtigtes Anliegen. Gewonnen wird sie aber nicht durch pauschale Verdächtigung, sondern durch Differenzierung. Vorbeugen heißt: Einzelfall und Gruppe auseinanderhalten — bevor die nächste Dramatisierung greift, etwa Formulierungen wie »bei denen sich Ihnen die Nackenhaare hochstellen«. Am Ende steht kein Widerlegen einer Behauptung. Am Ende steht ein geschärftes Ohr für die Verschiebung von der Tat zur Gruppe. · Kontern hat ein anderes Ziel als Vorbeugen: Eine konkrete Aussage steht im Raum. Sie muss live entlarvt werden, vor Publikum, mit der Uhr, die tickt. Deshalb ist die Antwort direkter, zugespitzter — bezogen auf die vorliegende Aussage, nicht auf das allgemeine Muster. Die stärkste Antwort ist nicht die eigene Statistik gegen die fremde Statistik. Das würde bedeuten, die Annahme der Gegenseite zu übernehmen: dass Sicherheit tatsächlich eine Frage der Herkunft sei. Stärker ist es, die Technik selbst zu benennen: »Sie machen aus einzelnen Straftaten ein Gruppenmerkmal, das ist keine Sicherheitsanalyse, das ist eine Erzählung.« Wenn eine Rede offen behauptet, sie habe kein Problem mit Gewalt gegen Migranten, wohl aber mit »der Gewalt, die von Migranten ausgeht«, liegt der Widerspruch offen zutage. Hier lohnt es, diese Asymmetrie öffentlich zu spiegeln — statt sich in eine Aufrechnung von Opferzahlen ziehen zu lassen. Auch die Forderung, »die Festung Deutschland zu bauen«, verdient eine ebenso direkte Antwort: Sie beschreibt keine Sicherheitspolitik, sondern ein Aufgeben vor der eigenen Dramatisierung — »Eine Festung schützt niemanden vor einer Straftat, die in der Festung selbst passiert«. Auch wo eine Behauptung nur als Befürchtung geäußert wird, ohne einen Fall zu nennen, lohnt die knappe Nachfrage nach dem Beleg. Entscheidend ist: nicht in Empörung kippen, sondern die Engführung sachlich offenlegen. Wer aus »ihr Unwesen treiben« eine politische Forderung ableitet, hat den Beweis nie erbracht — nur die Sprache vorweggenommen. Kontern heißt: dem Publikum in Echtzeit zeigen, dass die Bedrohungs-Erzählung selbst schon das ganze Argument ist. Ein Satz, der stehen bleibt, wenn das Gespräch längst weitergezogen ist.

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung markiert »Inländerfeindlichkeit« zwar mit dem distanzierenden Zusatz »sog.«, fordert den Begriff aber im selben Satz als eigenständigen amtlichen Phänomenbereich politisch motivierter Kriminalität — die formale Distanzierung wird durch die inhaltliche Übernahme unterlaufen. Der Begriff ist eine terminologische Analogie zu »Fremdenfeindlichkeit« und suggeriert damit ein strukturell spiegelbildliches, bislang amtlich verschwiegenes Phänomen, obwohl die PMK-Systematik des BKA ihn nicht kennt. So entsteht eine ethnisch codierte Trennlinie zwischen deutschen und ausländischen Opfern und Tätern, die direkt in die Strafverfolgungssystematik eingeschrieben werden soll.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich setze ein »sog.« vor das Wort, damit es aussieht, als hielte ich selbst Abstand dazu — aber im nächsten Atemzug verlange ich, dass genau dieser Begriff eine eigene amtliche Kategorie wird. Ich baue ihn nach dem Muster von »Fremdenfeindlichkeit«, weil dieses Wort längst als offizielles Phänomen anerkannt ist; wenn meines genauso klingt, wirkt es genauso amtlich, obwohl es das noch gar nicht ist. Dass die Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts diesen Phänomenbereich bisher nicht führt, sage ich nicht — ich tue so, als hätte die Statistik ihn nur vergessen, nicht, als würde ich ihn selbst erst erfinden. Auf diese Weise verschiebe ich die Trennlinie: Nicht mehr politisch motivierte Gewalt an sich wird erfasst, sondern die Herkunft von Täter und Opfer wird zur amtlichen Kategorie. Am Ende soll niemand mehr fragen, ob es diesen Phänomenbereich überhaupt gibt — er soll einfach dastehen, in Klammern hinter Zeugenbetreuung und Opferschutz, als wäre er längst beschlossene Sache.

Was diese Aussage leistet

Für den, der ihn hört: Wer als Deutscher Opfer wurde und sich übersehen fühlt, bekommt einen eigenen Namen für sein Leid — ›Inländerfeindlichkeit‹ verspricht, endlich mitgezählt zu werden.

Für den, der ihn sagt: Das vorangestellte ›sog.‹ hält scheinbar Abstand zum Begriff, während der Antrag ihn zugleich als eigene amtliche Kategorie fordert — Zustimmung kommt für die Anerkennung, nicht für eine geprüfte Statistik.

Die Bilanz: Statt Opferhilfe, die längst unabhängig von der Herkunft existiert, entsteht eine neue Sortierung nach Täter- und Opfergruppen. Wer sich wirklich unsicher fühlt, bekommt davon keinen einzigen zusätzlichen Schutz.

Ausgearbeitete Gegenrede

Der Antrag will dafür aber einen eigenen Namen und eine eigene Kategorie: ›sog. Inländerfeindlichkeit‹. Das kleine ›sog.‹ tut so, als halte man sich vom Begriff fern — gefordert wird er trotzdem, als ›eigener Phänomenbereich politisch motivierter Kriminalität‹. Die amtliche Kriminalstatistik kennt diesen Phänomenbereich nicht; das Wort ist nach dem Vorbild von Fremdenfeindlichkeit gebaut, damit ein angeblich bislang verschwiegenes Spiegelphänomen entsteht. Für echte Opferhilfe gibt es die Instrumente schon — unabhängig davon, wer das Opfer ist.

Dass jemand Opfer wird, nur weil er Deutscher ist, verdient genauso Hilfe wie jedes andere Opfer — keine Frage. Aber schauen Sie sich das Wort genau an: ›sog. Inländerfeindlichkeit‹. Das ›sog.‹ soll vorsichtig klingen, gefordert wird der Begriff trotzdem als ›eigener Phänomenbereich politisch motivierter Kriminalität‹ — eine amtliche Schublade, sortiert nach der Herkunft von Täter und Opfer. Zeugenbetreuung und psychosoziale Begleitung gibt es für Betroffene längst, ganz ohne diese neue Kategorie. Wozu also der neue Name, wenn die Hilfe schon da ist? Vielleicht, damit am Ende nicht die Tat zählt, sondern wer sie begangen hat.

Mehr Beispiele und die Übungsformen dazu: Gegenrede-Beispiele · Training.

Hier üben

Interaktive Trainingseinheiten auf dieser Website, die mit genau dieser belegten Aussage arbeiten (die Szenen darin sind fiktiv, die Zitate belegt):

Begriffe in dieser Aussage

Weitere Fundstellen zum Thema sicherheit