Belegte Aussage — AfD-Fraktion
„aktuellen Konflikt auf ukrainischem Boden“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
EuphemismusSprachkritische Analyse
Die Formulierung ersetzt »Russlands Angriffskrieg« durch das neutrale »Konflikt auf ukrainischem Boden« und tilgt damit Täter und Opfer aus der Beschreibung. Ein »Konflikt« hat per Definition zwei Seiten, die etwas voneinander wollen — wer angreift und wer sich verteidigt, wird sprachlich ununterscheidbar. Diese Symmetrisierung entlastet die im Antrag folgende Forderung, der Ukraine keine Waffen zu liefern, von jeder moralischen Zuschreibung.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich schreibe nicht »Angriffskrieg«, denn dieses Wort hat schon einen Schuldigen. Ich schreibe »Konflikt« — ein Wort, das auch für einen Nachbarschaftsstreit taugt, für zwei Parteien, die sich eben nicht einigen können. Wer angefangen hat, wer die Grenze überschritten hat, wer die Städte beschießt: all das verschwindet, sobald ich »auf ukrainischem Boden« hinzufüge, so als wäre der Ort des Geschehens Zufall und nicht Beweis. Wenn dann im nächsten Satz steht, man solle der Ukraine keine Waffen mehr liefern, klingt das nicht mehr wie Verweigerung von Beistand für den Angegriffenen — es klingt wie vernünftige Zurückhaltung in einem Streit, der beide etwas angeht. So kann ich das Wort »Neutralität« benutzen, ohne die Frage zu beantworten, wer hier eigentlich das Recht gebrochen hat.