Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Mario Lehmann (AfD)

„Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich, wie ich es vorhin gesagt habe, bestimmte Ergüsse aus den Fraktionen, die eigentlich Waffenfeinde und Gegner der Sportschützen sind, hier nicht noch ertragen muss.“

Quelle

Sprecher
Mario Lehmann (AfD)
Datum
2018-10-25
Quelle
Stenografischer Bericht 7/58 — Beratung Sportschützen flexibler verwalten für ein bürgernahes Waffenrecht II Antrag Fraktion AfD - Drs. 7/3482
Fundort
Plenarprotokoll 7/58, TOP 17
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp7/058stzg.pdf
Beleg-ID
fs-sich-0405 · Absatz aus fs-sich-abs-0044

Kodierte sprachliche Mittel

KampfbegriffDelegitimieren

Gegenstrategie gegen Kampfbegriff: Das Wort in keiner Form übernehmen, auch nicht verneint oder in Anführungszeichen — benennen, dass es verurteilt statt beschreibt, und ein eigenes, beschreibendes Wort setzen. · Beschreibt dieses Wort etwas — oder verurteilt es nur? Wie hieße die Sache neutral? · forschungsgestuetzt

Gegenstrategie gegen Delegitimieren: Quelle und Sache trennen: Der Angriff auf die Instanz beantwortet die Sachfrage nicht. Die prüfbare Aussage von der angegriffenen Quelle lösen und für sich prüfen. · Angenommen, die Quelle wäre dir gleichgültig — stimmt der Inhalt? Worauf stützt sich deine Ablehnung der Sache selbst? · argumentationstheoretisch

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung deutet eine sachliche Meinungsverschiedenheit im Waffenrecht in einen Freund-Feind-Gegensatz um: Aus Fraktionen, die eine striktere Regulierung befürworten, werden „Waffenfeinde" — Gegner nicht einer Position, sondern einer Personengruppe (Jäger, Sportschützen). Zugleich wertet die Formulierung die gegnerischen Redebeiträge als bloße „Ergüsse" ab, die man „ertragen" müsse, und entzieht ihnen so die Anerkennung als legitimen parlamentarischen Diskursbeitrag.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich nehme eine Position zum Waffenrecht — mehr Kontrolle, strengere Regeln — und mache daraus eine Gesinnung gegen Menschen. Wer für Verschärfung ist, wird bei mir zum „Feind" der Sportschützen und Jäger, nicht zum Vertreter einer anderen sachlichen Einschätzung. So muss ich mich nicht mit Argumenten auseinandersetzen, sondern kann Haltung markieren: Wer nicht auf meiner Seite steht, steht gegen euch. Und damit niemand auf die Idee kommt, die Gegenrede ernst zu nehmen, nenne ich sie gleich „Ergüsse" — das erspart mir, sie zu widerlegen, ich muss sie nur „ertragen". Wer das mitspricht, hat schon akzeptiert, dass es hier keine zwei legitime Meinungen gibt, sondern nur meine Seite und ihre Feinde.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung ersetzt eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Redebeiträgen der Gegenseite durch eine körperlich-abwertende Metapher — »Ergüsse« markiert Sprache als unbeherrschtes, peinliches Ausscheiden statt als Argument. Damit muss auf keinen einzigen Einwand eingegangen werden: die Entwertung geschieht vorab, allein über die Wortwahl, und bereitet die Delegitimierung der Gegner als Sachverständige vor, bevor überhaupt ein Argument gefallen ist.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich muss mich mit keinem einzigen Argument der Gegenseite auseinandersetzen, wenn ich ihre Reden vorher schon zu Ausscheidungen erkläre. »Ergüsse« — das Wort allein erledigt die inhaltliche Arbeit, die ich mir sonst machen müsste: Es sagt, hier kommt nichts Kontrolliertes, nichts Durchdachtes, sondern etwas Unwillkürliches und Peinliches, dem man nur mit Nachsicht oder Ekel begegnen kann. Wer so etwas von sich gibt, ist keine Gesprächspartnerin, sondern ein Fall von schlechter Selbstbeherrschung. Ich muss die Sportschützen-Debatte gar nicht gewinnen — ich muss nur dafür sorgen, dass meine Zuhörer die andere Seite schon vor dem ersten Satz nicht mehr ernst nehmen. Und weil ich das im Ton der Erschöpfung sage, als hätte ich es lange ertragen müssen, klinge ich nicht aggressiv, sondern bloß endlich erlöst.

Begriffe in dieser Aussage

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