Belegte Aussage — Mario Lehmann (AfD)
„Zu Ihrer Frage, woher im Volksmund dieser Begriff „Lügenbehörde“ genau wie der Begriff „Lügenpresse“ kommt: Der wird aus dem alltäglichen Leben, aus dem Alltag heraus geboren.“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
DelegitimierenNormalisierungSprachkritische Analyse
Der Sprecher beantwortet die Frage nach der Herkunft des Kampfbegriffs »Lügenbehörde«, indem er ihn als spontane Volksschöpfung ausgibt — »aus dem alltäglichen Leben, aus dem Alltag heraus geboren« — und ihn ausdrücklich analog zu »Lügenpresse« setzt. Damit verschiebt die Formulierung die Urheberschaft von der politischen Rede, die den Begriff verbreitet, auf ein anonymes »Volk«, und normalisiert so eine pauschale Unterstellung systematischer Falschauskunft gegenüber Polizei- und Behördenpressestellen als bloß nachvollzogene Volksmeinung.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich sage nicht, dass ich diesen Begriff nütze — ich sage, dass ich ihn nur wiedergebe. »Aus dem Volksmund«, »aus dem Alltag heraus geboren«: so klingt es, als hätte sich das Wort von selbst gebildet, irgendwo zwischen den Menschen, und ich hätte es bloß aufgeschnappt. Dass ich es hier, im Parlament, in die offizielle Debatte trage und damit erst wirklich in Umlauf bringe, blende ich aus. Die Parallele zu »Lügenpresse« liefere ich gleich mit, ganz beiläufig — wer den einen Begriff schon kennt und für plausibel hält, akzeptiert den zweiten fast automatisch. So muss ich die Behauptung, Behördenpressestellen würden systematisch lügen, nie selbst beweisen oder verantworten: Ich habe sie ja nicht erfunden, ich habe sie nur benannt, wie das Volk sie längst nennt.