Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Mario Lehmann (AfD)

„Zu Ihrer Frage, woher im Volksmund dieser Begriff „Lügenbehörde“ genau wie der Begriff „Lügenpresse“ kommt: Der wird aus dem alltäglichen Leben, aus dem Alltag heraus geboren.“

Quelle

Sprecher
Mario Lehmann (AfD)
Datum
2019-11-21
Quelle
Stenografischer Bericht 7/86 — Beratung Transparenz statt diskriminierender Gerüchte bei der polizeilichen Öffentlichkeitsarbeit Antrag Fraktion AfD - Drs. 7/5226 Antrag Fraktion AfD - Drs. 7/5223 Alternativantrag Fraktion DIE LINKE Drs. 7/5271 Alternativantrag Fraktionen CDU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Drs. 7/5279
Fundort
Plenarprotokoll 7/86, TOP 27
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp7/086stzg.pdf
Beleg-ID
fs-sich-0483

Kodierte sprachliche Mittel

DelegitimierenNormalisierung

Gegenstrategie gegen Delegitimieren: Quelle und Sache trennen: Der Angriff auf die Instanz beantwortet die Sachfrage nicht. Die prüfbare Aussage von der angegriffenen Quelle lösen und für sich prüfen. · Angenommen, die Quelle wäre dir gleichgültig — stimmt der Inhalt? Worauf stützt sich deine Ablehnung der Sache selbst? · argumentationstheoretisch

Gegenstrategie gegen Normalisierung: Die Verschiebung selbst zum Thema machen: die Serie zeigen, nicht den Einzelfall — und dem beiläufigen Ton den sachlichen Rahmen nehmen, indem man benennt, was da gerade nebenbei gesetzt werden soll. · Seit wann sagen wir das so beiläufig — und wem nützt es, dass es inzwischen normal klingt? · eigenuebertrag

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Der Sprecher beantwortet die Frage nach der Herkunft des Kampfbegriffs »Lügenbehörde«, indem er ihn als spontane Volksschöpfung ausgibt — »aus dem alltäglichen Leben, aus dem Alltag heraus geboren« — und ihn ausdrücklich analog zu »Lügenpresse« setzt. Damit verschiebt die Formulierung die Urheberschaft von der politischen Rede, die den Begriff verbreitet, auf ein anonymes »Volk«, und normalisiert so eine pauschale Unterstellung systematischer Falschauskunft gegenüber Polizei- und Behördenpressestellen als bloß nachvollzogene Volksmeinung.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich sage nicht, dass ich diesen Begriff nütze — ich sage, dass ich ihn nur wiedergebe. »Aus dem Volksmund«, »aus dem Alltag heraus geboren«: so klingt es, als hätte sich das Wort von selbst gebildet, irgendwo zwischen den Menschen, und ich hätte es bloß aufgeschnappt. Dass ich es hier, im Parlament, in die offizielle Debatte trage und damit erst wirklich in Umlauf bringe, blende ich aus. Die Parallele zu »Lügenpresse« liefere ich gleich mit, ganz beiläufig — wer den einen Begriff schon kennt und für plausibel hält, akzeptiert den zweiten fast automatisch. So muss ich die Behauptung, Behördenpressestellen würden systematisch lügen, nie selbst beweisen oder verantworten: Ich habe sie ja nicht erfunden, ich habe sie nur benannt, wie das Volk sie längst nennt.

Begriffe in dieser Aussage

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