Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Robert Farle (AfD)

„Diese sind nicht neutral gehalten. Da ist eine Hetze, mit der versucht wird, die AfD in die Nähe der Nationalsozialisten zu bringen. Das ist platte, primitive linksradikale Hetze, die auch in diesem Haus mittlerweile auf Plakaten auf dem Flur hängt.“

Quelle

Sprecher
Robert Farle (AfD)
Datum
2020-10-15
Quelle
Stenografischer Bericht 7/111 — Aktuelle Debatte Enquete-Kommission „Linksextremismus in Sachsen-Anhalt“ - Zwei Jahre Blockade und Rechtsbeugung durch die Altfraktionen! Antrag Fraktion AfD - Drs. 7/6716
Fundort
Plenarprotokoll 7/111, TOP 33
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp7/111stzg.pdf
Beleg-ID
fs-sich-0516 · Absatz aus fs-sich-abs-0041

Kodierte sprachliche Mittel

DelegitimierenSelbstviktimisierung

Gegenstrategie gegen Delegitimieren: Quelle und Sache trennen: Der Angriff auf die Instanz beantwortet die Sachfrage nicht. Die prüfbare Aussage von der angegriffenen Quelle lösen und für sich prüfen. · Angenommen, die Quelle wäre dir gleichgültig — stimmt der Inhalt? Worauf stützt sich deine Ablehnung der Sache selbst? · argumentationstheoretisch

Gegenstrategie gegen Selbstviktimisierung: Die Opferrolle an den realen Folgen messen: Wer öffentlich spricht, wird nicht verfolgt, sondern kritisiert — Kritik ist Teil der Freiheit, nicht ihr Ende. Bei Wiederholung das Muster benennen statt die Empörung zu bedienen. · Was ist dir konkret geschehen außer Widerspruch — und seit wann ist Kritik dasselbe wie Verfolgung? · argumentationstheoretisch

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung überträgt den Begriff »Hetze« von rechtsextremer Agitation auf demokratische Öffentlichkeitsarbeit eines zivilgesellschaftlichen Vereins und macht sie damit im selben Zug pauschal illegitim. »Linksradikal« liefert die Etikettierung gleich mit, ohne dass ein konkreter Beleg für Radikalität genannt wird. Zugleich kehrt die Aussage die Rollen um: Nicht die AfD wird für den NS-Vergleich kritisiert, sondern der Verein erscheint als der eigentliche Angreifer — die AfD wird zur Betroffenen einer Kampagne stilisiert.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich brauche kein Argument gegen den Vorwurf, ich brauche nur ein stärkeres Wort. »Hetze« klingt nach Gewalt, nach etwas, das man verbieten müsste — wer es benutzt, muss den Inhalt der Plakate nicht mehr diskutieren. Dass es ein eingetragener Verein ist, der vor rechtsextremen Netzwerken warnt, sage ich nicht; ich sage »linksradikal«, und schon steht die Organisation außerhalb der Mitte, bevor irgendjemand ihre Aussagen geprüft hat. So drehe ich die Angriffsrichtung um: Nicht wir rücken uns in die Nähe der Nationalsozialisten, sondern wir werden verleumdet — die Opferrolle nehme ich mir selbst. Wer diesen Vergleich künftig wiederholt, ist für mich schon Teil derselben »Hetze«, und ich muss auf keinen einzigen Beleg mehr eingehen.

Begriffe in dieser Aussage

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