Belegte Aussage — Gordon Köhler (AfD)
„Womit die Wirtschaft gar kein Problem hat, das ist Deregulierung. Womit die Wirtschaft aber ein Problem hat, das sind unmoralische Moralapostel, die ihnen Vorschriften liefern.“
Quelle
Kodierte sprachliche Mittel
KampfbegriffSprachkritische Analyse
Die Formulierung stellt wirtschaftliche Regulierungsbestrebungen („Vorschriften“) und deren Befürworter mittels des abwertenden Begriffs „unmoralische Moralapostel“ als scheinheilig dar und kehrt damit den moralischen Vorwurf gegen dessen Urheber. Die paradoxe Wortbildung – „unmoralisch“ verbunden mit „Moralapostel“ – suggeriert einen inneren Widerspruch bei den Kritikern, ohne diesen inhaltlich zu belegen.
So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):
Ich drehe den Vorwurf einfach um: Wer mir Regeln auferlegen will, den nenne ich selbst unmoralisch – „unmoralische Moralapostel“ klingt fast wie ein Zungenbrecher, aber genau das bleibt hängen. Damit muss ich mich nicht mit dem Inhalt der Regulierung befassen, mit Umwelt- oder Sozialstandards, ich muss nur die Motive der Befürworter madig machen. Wer moralisch argumentiert, gilt bei mir automatisch als scheinheilig – so entkomme ich jeder inhaltlichen Debatte über Vorschriften, indem ich die Debatte zu einer über Charakter mache.