Normalisierung
Beschreibung
Ein zuvor tabuisierter Begriff oder Anspruch wird durch wiederholte, beiläufig-sachliche Setzung in den Bereich des Sagbaren verschoben.
Erkennungsmerkmale
- explizite Sagbarkeits-Behauptung (»kein Unwort«, »man wird ja sagen dürfen«)
- das Tabuisierte wird auf die offizielle Tagesordnung gesetzt
- sachlich-beiläufiger Ton für radikalen Inhalt
Wirksame Gegenrede
- Die Verschiebung selbst zum Thema machen: die Serie zeigen, nicht den Einzelfall — und dem beiläufigen Ton den sachlichen Rahmen nehmen, indem man benennt, was da gerade nebenbei gesetzt werden soll.
- Seit wann sagen wir das so beiläufig — und wem nützt es, dass es inzwischen normal klingt?
- eigenuebertrag
Herkunft
Eigenergänzung
Beleg
Wodak, »Die schamlose Normalisierung rechtspopulistischer und rechtsextremer Diskurse« (2020)
Hier trainierst du die Gegenrede dagegen
Beleg-Beispiele (322)
- „Das ist nicht radikal. Das ist gesunder Menschenverstand.“
- „Viele unserer Forderungen für Berlin sind in anderen europäischen Regionen bereits geltendes Recht.“
- „Auch in mehreren von VOX und der konservativen Volkspartei (PP) gemeinsam regierten spanischen Regionen ist die Bevorzugung von Einheimischen bei der Vergabe …“
- „Was in Flandern und Spanien möglich ist, muss auch in Berlin möglich sein. Andere europäische Regionen haben erkannt, dass öffentlicher Wohnraum zuerst …“
- „Es ist daher legitim und geboten, dass Empfänger staatlicher Fördermittel ein Mindestmaß an Loyalität gegenüber dem demokratischen Gemeinwesen, dem Land …“
- „Wer öffentliche Förderung in Anspruch nimmt, darf erwarten lassen, dass er Deutschland, seine Nationalkultur und seine freiheitlich-demokratische Ordnung nicht …“
- „m/w/d: männlich, weiß, deutsch.“
- „Digitaler Schülerausweis - die Zukunft ist jetzt!“
- „Das Portal soll darüber hinaus Funktionen für das Hochladen von Videos oder Tondokumenten sowie eine Landkarte zur Aufzeigung von Gewaltvorfällen und zur …“
- „Der durchschnittliche Dorfgaststättenkunde ist männlich, weiß, trinkt abends am Tresen sein Bier, wählt AfD, lacht gern über GRÜNEN-Witze und denkt deutsch, …“