Gegen Rechte Reden

Belegte Aussage — Tobias Rausch (AfD)

„Entweder wird eine Seite komplett totgeschwiegen oder: vier gegen eins. Das ist das Problem: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat einen zu starken parteipolitischen Einfluss. Das ist nun einmal so. Sie können zehnmal sagen, dass die Staatsferne gegeben ist und so. Fakt ist eines: Wer sich anguckt, wie die Rundfunkräte und alle Gremien und Entscheidungsträger zusammengesetzt sind, wird feststellen: Das parteipolitische Spektrum ist dort zu stark vertreten. Genau das ist das Problem.“

Quelle

Sprecher
Tobias Rausch (AfD)
Datum
2025-10-09
Quelle
Stenografischer Bericht 8/98 — Zweite Beratung Entwurf eines Gesetzes zum Reformstaatsvertrag Gesetzentwurf Landesregierung - Drs. 8/5474 Beschlussempfehlung Ausschuss für Bundes- und Europaangelegenheiten, Medien sowie Kultur - Drs. 8/5949 Änderungsantrag Fraktion Die Linke - Drs. 8/6034 Entschließungsantrag Fraktion Die Linke Drs. 8/6029
Fundort
Plenarprotokoll 8/98, TOP 11
Original
https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/plenum/wp8/098stzg.pdf
Beleg-ID
fs-bild-2079 · Absatz aus fs-bild-abs-0727

Kodierte sprachliche Mittel

Delegitimieren

Gegenstrategie gegen Delegitimieren: Quelle und Sache trennen: Der Angriff auf die Instanz beantwortet die Sachfrage nicht. Die prüfbare Aussage von der angegriffenen Quelle lösen und für sich prüfen. · Angenommen, die Quelle wäre dir gleichgültig — stimmt der Inhalt? Worauf stützt sich deine Ablehnung der Sache selbst? · argumentationstheoretisch

Vertiefung: alle Manipulationsmittel und ihre Gegenrede.

Sprachkritische Analyse

Die Formulierung stellt eine unbelegte quantitative Behauptung („vier gegen eins“) gegen die Rechtsgarantie der Staatsferne und erklärt Letztere allein durch den Verweis auf gefühlte Evidenz für hinfällig („Das ist nun einmal so“, „Fakt ist eines“). Indem Gegenargumente vorab als bloße Wiederholung abgetan werden („Sie können zehnmal sagen“), wird jede rechtliche Absicherung der Rundfunkfreiheit als Fassade delegitimiert, ohne die Zusammensetzung der Gremien konkret zu belegen.

So hört der ideologiekritisch geschulte Leser das unausgesprochene Kalkül (Rekonstruktion, kein Zitat):

Ich brauche keine Zahlen, ich brauche nur einen griffigen Vergleich – „vier gegen eins“ klingt wie ein Ergebnis, das jeder sofort versteht, egal ob ich es je gezählt habe. Wenn mir jemand mit „Staatsferne“ kommt, drehe ich den Spieß um: Wer das Gesetz zitiert, hat offenbar nicht hingeschaut, wie es in Wirklichkeit läuft. Ich sage „Fakt ist eines“ und mache aus meiner Behauptung eine Tatsache, die keinen Beleg mehr braucht. So installiere ich einen Generalverdacht gegen den gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunk, ohne einen einzigen Rundfunkrat namentlich benennen zu müssen. Am Ende bleibt hängen: Die da oben sind sowieso alle gleich gefärbt – und wer das bestreitet, verteidigt nur das System.

Was diese Aussage leistet

Für den, der ihn hört: »Das Misstrauen gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bekommt eine griffige Zahl, die sich anfühlt wie ein Beweis: ›vier gegen eins‹. Das wirkt nach belegter Schieflage — nachgezählt wird nichts.«

Für den, der ihn sagt: »Der Satz erklärt jede Berufung auf die Staatsferne im Voraus für hinfällig — wer sie zitiert, gilt schon als jemand, der nicht hingeschaut hat: ›Fakt ist eines‹. Das immunisiert die eigene Behauptung gegen den naheliegenden Einwand.«

Die Bilanz: »Ohne dass die Gremienzusammensetzung tatsächlich offengelegt worden wäre, verengt sich das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf einen pauschalen Verdacht. Eine sachliche Prüfung der Staatsferne fällt als Weg aus, weil sie im Vorfeld schon als Ausrede gerahmt ist — was an den Gremien stimmt, bleibt ungeklärt.«

Weitere Fundstellen zum Thema demokratie